Kurz beschrieben ist RFID eine Technologie, die das Auslesen von Daten aus einem an der Ware angebrachten Chip (Tag) ermöglicht. Im Unterschied zum Lesen eines Barcodes, muss der Tag nicht direkt sichtbar oder an einer bestimmten Stelle des Gebindes angebracht sein. Seit der Freigabe für die Nutzung des UHF (Ultra-High-Frequency)-Bereiches in Deutschland, ist das bis dahin vorrangige Problem der Reichweite der RFID-Scanner gelöst. Es sind nun Lesedistanzen von 1 m bis 10 m möglich.
Da mit der bislang verwendeten EAN-Nummer des Barcodes lediglich die Art des Artikels identifiziert werden kann, nicht aber jedes einzelne Produkt und auch keine zusätzlichen Informationen gespeichert werden können, bietet RFID einen wesentlichen Vorteil gegenüber dem Barcode. Die zunehmende Einführung von RFID wird jedoch die Kennzeichnung durch Barcodes nicht vollständig ersetzen. Zwar entstehen grundsätzlich neue Möglichkeiten der Identifikation, in bestimmten Fällen kann es aber aus Kostengründen vorteilhafter sein auf die konventionellen Barcodes zurückzugreifen.
Mittlerweile haben sich Konsortien für die Definition von Standards und Normen gebildet, in Europa nimmt Deutschland bei der Einführung und Durchsetzung dieser Technologie eine führende Stellung ein. Die direkt erkennbaren Nutzeffekte sind branchenbezogen sicher unterschiedlich, jedoch kristallisiert sich für den Bereich Nahrungsmittel ein recht klares Anwendungsprofil heraus. Führende Lebensmittelgroß- und einzelhandelsunternehmen (z.B. Metro Future Store Initiative) definieren bereits die Anforderungen an eine lückenlose Dokumentation des Warenflusses vom Hersteller bis zum Verkaufsraum.
Hierbei sollte der Nutzen nicht ausschließlich auf Seiten des Handels gesehen werden! Die Möglichkeit des Rücklaufs von Daten an Distributoren und Hersteller erlaubt eine bedarfsgerechte Versorgung des Endabnehmers.
Einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zufolge wird sich die Zahl der Unternehmen, die RFID einsetzen, von 20 Prozent im Jahr 2006 auf 40 Prozent im Jahr 2010 erhöhen. Branchenvertreter schätzen, dass sich durch den Einsatz von RFID Effizienzeffekte von fünf bis zehn Prozent erzielen lassen.
Unmittelbar nach seiner Fertigstellung erhält der Artikel einen Tag, auf dem ein individueller elektronischer Code gespeichert ist. Damit kann dieser Artikel an jeder Station der Supply Chain identifiziert werden. Dank RFID ist hierbei weder Sichtkontakt noch Umpacken notwendig.
Die Artikel werden einzeln oder in Gebinden verpackt und auf Paletten gestapelt. Auch diese Gebinde bzw. Paletten erhalten jeweils einen individuell codierten Tag.
Beim Verlassen der Produktionsstätte werden in einem einzigen Registrierungsprozess sämtliche Tag erfasst – sowohl auf den Paletten/Gebinden als auch auf den einzelnen Artikeln. Dank RFID ist hierbei weder Sichtkontakt noch Umpacken notwendig.
Vollautomatisch werden alle angelieferten Artikel und Gebinde per RFID-Lesegerät identifiziert und mengenmäßig erfasst. Ebenfalls automatisch erfolgt ein Abgleich mit den hinterlegten Bestell- und Lieferavisdaten, eine Warenempfangsbestätigung an den Hersteller und eine artikelgenaue Wareneingangsbuchung.
Beim Einlagern registrieren RFID-Lesegeräte im Regal den Empfang der Artikel, Gebinde oder Paletten und gleichen den Bestand mit den Daten des Lagerverwaltungssystems ab.
Gemäß den Bestellungen aus den Filialen werden entsprechende Lieferungen zusammengestellt. Die Paletten mit dem POS-spezifischen Warenmix erhalten ebenfalls Transponder und werden samt ihrem Inhalt beim Verladen vollautomatisch mit RFID-Lesegeräten erfasst.
Eingehende Lieferungen werden per RFID erfasst und in das interne Warenwirtschaftssystem eingebucht. Nach dem vollautomatischen Bestands-Check erfolgt eine Verräumung im Zwischenlager oder die bedarfsgerechte Weiterleitung ins Verkaufsregal.
RFID-Lesegeräte im Verkaufsregal registrieren automatisch und ohne Sichtkontakt jede Artikelbewegung und aktualisieren regelmäßig die Bestands- und Lokationsdaten im Warenwirtschaftssystem.
Falls vorhanden kann sich der Kunde an einem Display über Produkteigenschaften, Promotion- und Warenbestand informieren. Mit RFID funktioniert der Abruf dieser Zusatzinformationen vollautomatisch, berührungslos und in Echtzeit.
Am Kundenausgang der Geschäftsfiliale werden sämtliche im Einkaufskorb befindlichen Waren per RFID gleichzeitig erfasst. Die Abrechnung erfolgt im selben Registrierungsprozess über den elektronischen Produktcode und die Autorisierung der Kreditkarte des Kunden.
Dies ist jedoch noch "Zukunftsmusik". Derzeit gibt es solch ein Szenario im Metro Future Store. Jedoch sind hierzu bestimmt Voraussetzung notwendig, die nicht unerheblich Kosten hervorrufen.
Das Warenwirtschaftssystem verbucht den Abverkauf und löst eine systematisierte Nachbestellung aus. In einem weiteren Schritt ist beispielsweise auch denkbar, dass RFID-Lesegeräte beim Endverbraucher elektronische Einkaufslisten generieren.
Schon heute werden ähnlich Szenarien bei Fast Food Ketten genutzt. Aufgrund von Vergangenheitsanalysen werden Waren wie Burger, Fleisch und Zutaten automatisch geliefert.
In Verbindung mit automatisierten Datenerfassungs- und Datenverarbeitungssystemen ermöglicht RFID dem Handelsunternehmen, seine Bedarfsprognose ständig auf dem aktuellen Stand zu halten und Nachbestellungen beim Hersteller zum jeweils optimalen Zeitpunkt zu veranlassen. In einem weiteren Schritt ist beispielsweise auch denkbar, dass RFID-Lesegeräte beim Endverbraucher elektronische Einkaufslisten generieren.
Die Errichtung von RFID-Toren ermöglicht z.B. das Auslesen sämtlicher mit einem Tag versehener Gebinde auf einer gemischten Palette in einem Arbeitsgang. Die damit verbundene Arbeitserleichterung bei Wareneingang, Kommissionierung und Ausgangskontrolle liegt auf der Hand. „Zukunftsmusik“ ist bisher noch die automatische Erfassung des Warenkorbes des Endverbrauchers, verbunden mit einer vollständigen Abrechnung über Kredit- oder EC-Karte des Kunden. Momentan spricht der vergleichsweise hohe Preis der RFID-Tags noch gegen eine Kennzeichnung der kleinsten Verkaufseinheit. Bei der Auszeichnung von Umkartons und Paletten jedoch kann die Kosten/Nutzen-Betrachtung schon zu Gunsten der neuen Technologie entscheiden.



